In den letzten Wochen war ich irgendwie öfters mit nervigen Situationen und anstrengenden Fragen konfrontiert. Die letzten Wochen haben Kraft gekostet. Für mich bedeutet ein fürsorglicher Umgang mit mir selbst zu entscheiden, in welcher Situation ich diese Kraft aufbringe und in welcher auch nicht. Noch wichtiger als die Entscheidungsfähigkeit selbst (die ja auch leider nicht immer gegeben ist, sonst würde ich ja auch nicht schreiben, dass ich mich konfrontiert fühle), ist die Frage, wie ich mich in welcher Situation jeweils entscheide.
Im Groben kann ich zwei Tendenzen ausmachen, die sich vermutlich auf einem Kontinuum befinden und in verschiedenen Schattierungen zu Tage treten: Selbstschutz, der meist in Ignorieren oder Eskalieren besteht, und Verantwortung übernehmen, wo ich versuche zu erklären und Kritik zu vermitteln. Für welche Variante oder Nuancen der jeweiligen Variante ich mich entscheide, hat viel damit zu tun, wie ich in der jeweiligen Situation positioniert bin.
Situation Nummer eins: In einem Gespräch kommt das Thema Coming-Out und die Situation von Lesben auf. Ich hab mir das Thema nicht ausgesucht. Irgendwann fällt der Satz: "Ich finde es so schlimm, dass Menschen dafür diskriminiert werden, wen sie lieben." Ich verstumme, mir fehlen die Worte. Ich kann das vermeintliche Einfühlen in meine Lebensrealität nicht aushalten. Ich fühl mich zu einer Lektion in eigener Toleranz und politischer Bewusstwerdung stilisiert. Ich komme erneut nicht wirklich vor oder nur als vermeintliche Hülle meiner selbst. In der Situation habe ich mich entschieden, nichts zu sagen. Ich wollte weder mich kritisch dazu äußern noch auf die gewonnene Einsicht eingehen. Aus Selbstschutz habe ich mich für Ignorieren entschieden. In ähnlichen Situationen hab ich mich auch schon für Wut entschieden und der Summe meiner Erfahrungen Raum gegeben. Wenn ich die Zielscheibe der gesammelten Erkenntnis werde, ist es nur fair, wenn dich meine gesammelte Erfahrung mit deinen Erkenntnissen trifft. Es gäbe noch die Möglichkeit mich zu dem Gespräch zu äußern. Doch bei der Entscheidung, ob ich das tun möchte, werde ich auf meine Kräfte achten. Und das finde ich gut so.
Situation Nummer zwei: In einem Gespräch wird die Frage gestellt, wie sich bislang weiß dominierte Räume für People of Color und Schwarze öffnen können. Es werden Ideen in den Raum geworfen, die ich bevormundend bis ausgrenzend finde. Die konkreten Aussagen sind hier egal und auch zum Teil beliebig austauschbar. Auch hier habe ich mir das Thema in der Situation nicht ausgesucht. Doch in dieser Situation fällt meine Entscheidung anders aus. Als weiße Person finde ich es wichtig, auf von mir wahrgenommene problematische Setzungen zu verweisen und meine Erfahrungen an antirassistischer Zusammenarbeit weiterzugeben. Auch diese Gespräche kosten Kraft, weil sie viel Selbstreflektion erfordern, und kritische Solidarität manchmal ein schwer bewohnbarer Ort ist. Die Frage nach meinen Kräften ist bei der Entscheidung für den Austausch nachrangig. Und das finde ich gut so.
Vielleicht bedeutet das, mich öfters gegen eine Gesprächsbereitschaft über meine Diskriminierungen zu entscheiden, um häufiger eine_ Verbündete_ sein zu können. Ein Haushalten meiner Kräfte, das selbstverständlicher meine Selbstverständlichkeiten in Frage stellt und keine Anerkennung für mein Anerkennen von Diskriminierungen will.
Was kostet dich Kraft?
Wie teilst du deine Kräfte ein? Wie entscheidest du, wo du deine Energien reingibst?
Wo tankst du Energie? Auf wessen Kosten?
Wie gibst du anderen Kraft? Wem und wem nicht?
Sonntag, 14. Juli 2013
Sonntag, 23. Juni 2013
Warum tue ich das, was ich tue? - Feministische Motivationen
An meiner Wand hängt eine Mindmap, in der ich über meine Antigewaltarbeit kritisch reflektiere. Sie ist entstanden, als ich mich im Rahmen meiner Ausbildung zur systemischen Beraterin damit beschäftigt habe, welche Glaubenssätze mir (von Seiten meiner Herkunftsfamilie) mitgegeben wurden.
In dieser Mindmap findet sich als eine von vielen Spuren die Frage: Welche Rolle spielen Schuldgefühle und schlechtes Gewissen in meinem Aktivismus?
Hat mich ein Unrechtsempfinden zu meinem feministischen Handeln gebracht und hält mich ein schlechtes Gewissen, niemals genug machen zu können, dabei? Inwiefern fühle ich mich verpflichtet? Und wem oder was gegenüber eigentlich?
Diese Schuldgefühle spannen sich in zwei Richtungen auf: Leidensdruck und Verantwortung.
Leidensdruck ist für mich eine Haltung, mit der ich mich manchmal konfrontiert fühle. Als Feministin und Betroffene von Sexismus (neben anderen Machtverhältnissen) muss es mir schlecht gehen - und lange Zeit tat es das einfach, ohne dass ich da irgendwelche Mitsprachemöglichkeiten gefunden hätte. Kann ich überhaupt eine echte Feministin sein, wenn ich nicht permanent an dieser Gesellschaft leide? (Mir geht es hier nicht darum, irgendwen zu kritisieren, der es mit gesellschafltichen Verhältnissen schlecht geht oder an diesen verzweifelt - http://virtualretreatcenter.blogspot.de/2013/05/everybody-hurts-sometimes-umgang-mit.html) Lange Zeit hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn es mir gut ging, was ich damit kompensiert habe, mich noch mehr um andere zu kümmern. Heute bestehe ich mehr auf dem "trotz": trotz aller sexistischen und anderen diskriminierenden Kackscheiße kann und darf ich meine glücklichen Momente haben.
Verantwortung ist für mich ein wichtiger Perspektivwechsel in Bezug auf Schuldgefühle, wenn es um mein solidarisches Handeln aus meinen privilegierten Positionen heraus geht. Mir und anderen bringt es nichts, wenn ich mich beispielsweise wegen rassistischen Zuständen und Verhaltensweisen schuldig fühle. Und es bringt auch nichts, wenn ich in meinem schlechten Gewissen über Ungelerntem und Unreflektiertem verharre. Stattdessen will ich mich immer wieder neu fragen: Wie kann ich Verantwortung für mein eigenes Handeln und diskriminierende Verhältnisse übernehmen? Für mich gehört dazu auch, darüber nachzudenken, wie ich anderen in meinen feministischen Communities ermöglichen kann, für sich selbst zu sorgen und wie ich Räume schaffen kann, in denen sich auch Mehrfachzugehörige geschützt(er) und wohl(er) fühlen können.
Ich merke, dass es für mich wichtig ist, mich mit meinen feministischen Motivationen auseinanderzusetzen, weil sich darin auch viele eigene Glaubenssätze verbergen. Viele dieser Glaubenssätze entsprechen dabei nicht unbedingt meinen feministischen Idealen, sondern sind Teil einer kapitalistischen Selbstdisziplinierungslogik, die Selbstfürsorge und einen wohlwollenden Umgang mit mir selbst häufig verhindert. Zu diesen Glaubenssätzen gehören: "Du bist nur etwas wert, wenn du etwas leistest.", "Du darfst dich erst ausruhen, wenn du dein Ziel erreicht hast." Diese Glaubenssätze führen häufig auch dazu, dass ich anderen Feminist_innen mit Härte begegne. Manchmal merke ich, wie ich von anderen erwarte, dass sie mehr tun, damit ich weniger tun kann - weil ich meinen allgemeinen Maßstab, was passieren muss, nicht runterschrauben kann. Zur Zeit übe ich mich darin, unterschiedliche Zugänge, Bedürfnisse und Limits stärker wahrzunehmen und anzuerkennen. Dabei ist es mir wichtig, dass es viele unterschiedliche Gründe für ein vermeintliches "Weniger" geben kann und dass ich nicht erst bei einem Verweis auf Erschöpfung, Grenzen oder das B-Wort (Burnout) von meinen Erwartungen an andere abrücke. In dem Bereich hab ich noch viel zu lernen, was aber hoffentlich auch zu mehr Nachgiebigkeit mit mir selbst führt.
In der Mindmap findet sich als alternative Spur auch die Frage: Wie kann ich die Sonnenseiten des Lebens spüren und Freude in meinem Aktivismus erfahren?
Ich hab die Vorstellung, dass Freude kein Ziel von feministischem Aktivismus sein kann und trotzdem ist es für mich ein wichtiger Bestandteil meiner feministischen Lebensweisen. Nähe und Intensität spüren und das Erleben gegenseitiger Solidarität, auch wenn diese Erfahrungen immer wieder mit Widersprüchen, Scheitern und Ambivalenzen angefüllt sind, gehören für mich zu meinem feministischen Alltag und lassen mich auch nach schweren Phasen und (Selbst-) Zweifeln immer wieder weiter machen. Manchmal wünsche ich mir, dass mein feministisches Handeln stärker von Hoffnung und Zuversicht geprägt ist. Und dann frage ich mich, inwiefern mir meine Privilegien erlauben, zuversichtlich und hoffnungsvoll sein zu wollen bzw. punktuell sein zu können.
Was motiviert dich zu deinem feministischen Handeln?
Wie bewegst du dich zwischen schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen?
Was macht dir Druck?
Welche anderen Motivationsspuren finden sich in deinem feministischen Leben?
In dieser Mindmap findet sich als eine von vielen Spuren die Frage: Welche Rolle spielen Schuldgefühle und schlechtes Gewissen in meinem Aktivismus?
Hat mich ein Unrechtsempfinden zu meinem feministischen Handeln gebracht und hält mich ein schlechtes Gewissen, niemals genug machen zu können, dabei? Inwiefern fühle ich mich verpflichtet? Und wem oder was gegenüber eigentlich?
Diese Schuldgefühle spannen sich in zwei Richtungen auf: Leidensdruck und Verantwortung.
Leidensdruck ist für mich eine Haltung, mit der ich mich manchmal konfrontiert fühle. Als Feministin und Betroffene von Sexismus (neben anderen Machtverhältnissen) muss es mir schlecht gehen - und lange Zeit tat es das einfach, ohne dass ich da irgendwelche Mitsprachemöglichkeiten gefunden hätte. Kann ich überhaupt eine echte Feministin sein, wenn ich nicht permanent an dieser Gesellschaft leide? (Mir geht es hier nicht darum, irgendwen zu kritisieren, der es mit gesellschafltichen Verhältnissen schlecht geht oder an diesen verzweifelt - http://virtualretreatcenter.blogspot.de/2013/05/everybody-hurts-sometimes-umgang-mit.html) Lange Zeit hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn es mir gut ging, was ich damit kompensiert habe, mich noch mehr um andere zu kümmern. Heute bestehe ich mehr auf dem "trotz": trotz aller sexistischen und anderen diskriminierenden Kackscheiße kann und darf ich meine glücklichen Momente haben.
Verantwortung ist für mich ein wichtiger Perspektivwechsel in Bezug auf Schuldgefühle, wenn es um mein solidarisches Handeln aus meinen privilegierten Positionen heraus geht. Mir und anderen bringt es nichts, wenn ich mich beispielsweise wegen rassistischen Zuständen und Verhaltensweisen schuldig fühle. Und es bringt auch nichts, wenn ich in meinem schlechten Gewissen über Ungelerntem und Unreflektiertem verharre. Stattdessen will ich mich immer wieder neu fragen: Wie kann ich Verantwortung für mein eigenes Handeln und diskriminierende Verhältnisse übernehmen? Für mich gehört dazu auch, darüber nachzudenken, wie ich anderen in meinen feministischen Communities ermöglichen kann, für sich selbst zu sorgen und wie ich Räume schaffen kann, in denen sich auch Mehrfachzugehörige geschützt(er) und wohl(er) fühlen können.
Ich merke, dass es für mich wichtig ist, mich mit meinen feministischen Motivationen auseinanderzusetzen, weil sich darin auch viele eigene Glaubenssätze verbergen. Viele dieser Glaubenssätze entsprechen dabei nicht unbedingt meinen feministischen Idealen, sondern sind Teil einer kapitalistischen Selbstdisziplinierungslogik, die Selbstfürsorge und einen wohlwollenden Umgang mit mir selbst häufig verhindert. Zu diesen Glaubenssätzen gehören: "Du bist nur etwas wert, wenn du etwas leistest.", "Du darfst dich erst ausruhen, wenn du dein Ziel erreicht hast." Diese Glaubenssätze führen häufig auch dazu, dass ich anderen Feminist_innen mit Härte begegne. Manchmal merke ich, wie ich von anderen erwarte, dass sie mehr tun, damit ich weniger tun kann - weil ich meinen allgemeinen Maßstab, was passieren muss, nicht runterschrauben kann. Zur Zeit übe ich mich darin, unterschiedliche Zugänge, Bedürfnisse und Limits stärker wahrzunehmen und anzuerkennen. Dabei ist es mir wichtig, dass es viele unterschiedliche Gründe für ein vermeintliches "Weniger" geben kann und dass ich nicht erst bei einem Verweis auf Erschöpfung, Grenzen oder das B-Wort (Burnout) von meinen Erwartungen an andere abrücke. In dem Bereich hab ich noch viel zu lernen, was aber hoffentlich auch zu mehr Nachgiebigkeit mit mir selbst führt.
In der Mindmap findet sich als alternative Spur auch die Frage: Wie kann ich die Sonnenseiten des Lebens spüren und Freude in meinem Aktivismus erfahren?
Ich hab die Vorstellung, dass Freude kein Ziel von feministischem Aktivismus sein kann und trotzdem ist es für mich ein wichtiger Bestandteil meiner feministischen Lebensweisen. Nähe und Intensität spüren und das Erleben gegenseitiger Solidarität, auch wenn diese Erfahrungen immer wieder mit Widersprüchen, Scheitern und Ambivalenzen angefüllt sind, gehören für mich zu meinem feministischen Alltag und lassen mich auch nach schweren Phasen und (Selbst-) Zweifeln immer wieder weiter machen. Manchmal wünsche ich mir, dass mein feministisches Handeln stärker von Hoffnung und Zuversicht geprägt ist. Und dann frage ich mich, inwiefern mir meine Privilegien erlauben, zuversichtlich und hoffnungsvoll sein zu wollen bzw. punktuell sein zu können.
Was motiviert dich zu deinem feministischen Handeln?
Wie bewegst du dich zwischen schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen?
Was macht dir Druck?
Welche anderen Motivationsspuren finden sich in deinem feministischen Leben?
Dienstag, 4. Juni 2013
Weiter als die Wut
Manchmal nehme ich gerne alte feministische Texte zur Hand, um nachzulesen, was früher schon zu bestimmten Themen diskutiert wurde. Ich will über feministische Wut schreiben und mir fällt "Weiter als die Wut" (1983) von Anja Meulenbelt ein. Ihr Vorwort beginnt mit dem Satz:
Manchmal habe ich den Eindruck, dass feministische Gemeinsamkeiten darüber geschaffen werden, sich über die gleichen Dinge aufzuregen. Und wer sich nicht über die gleichen Dinge aufregt, gehört irgendwie nicht dazu. Aufregen und Wut schaffen also auch Verbindung. Auf was basiert diese Verbindung? Wenn wir immer wieder mit unserer Wut auf gewaltvolle und diskriminierende Situationen und Zustände reagieren, wann bleibt dann die Zeit, um uns über unsere Utopien und Visionen auszutauschen?
Welche Auswirkungen haben Wut, Aufregen und Jammern auf dich und deine feministischen Communities?
Hier sind einige Fragen, anhand derer du den nächsten Moment der Wut beobachten kannst:
In welchen Momenten stärkt Wut deine Handlungsfähigkeit und in welchen Momenten verringert Wut deine Handlungsfähgikeit?
Ermöglicht dir Wut Verantwortung für das eigene Verhalten und deinen eigenen Handlungsspielraum in bezug auf die besprochenen Themen zu übernehmen?
Bewirken Aufregen und Jammern, dass es dir anfangs besser geht, aber dass langfristig ein bitterer Nachgeschmack bleibt?
Dreht ihr euch beim Aufregen im Kreis und landet immer wieder bei den gleichen Punkten?
Liegt der Fokus auf dem, was alles scheiße läuft, statt auf dem, was gerade gut ist?
Fühlen sich diejenigen durch Wut unterstützt, die möglicherweise als Betroffene von einer konkreten Situation erzählt haben?
Für wen ist Wut möglicherweise auch ein belastendes Gefühl, weil sie häufig mit Wut konfrontiert sind/ waren? Wie kann auf deren Grenzen geachtet werden?
Jahrelang bin ich böse gewesen.Und weiter:
Und danach? Gibt es eine Phase nach den Jahren der Wut? Ist das Feuer ausgebrannt, wenn du dich nicht mehr täglich aufregst, hast du dann deine Radikalität verloren? (...)Auch wenn ich Meulenbelts Entwicklungsnarrativ nicht unbedingt folgen möchte, so finde ich doch ihre Frage wichtig, was neben der Wut und dem Aufregen noch Platz haben darf. Für mich ist Wut wichtig: Es ist wichtig, mir Wut zu erlauben, Wut fühlen zu lernen und sie ist immer wieder ein wichtiger Motor für mein feministisches Handeln. Gleichzeitig ist Wut immer auch ein bezogenes Gefühl: Ich stecke meine emotionale Energie in das, worauf ich wütend bin. Wut hält mich davon ab, mir ganz andere Wege und Richtungen zu imaginieren. Wut nimmt Zeit weg für Wertschätzung und Anteilnahme gegenüber meinen feministischen Freund_innen.
Wenn Aggression dasselbe bedeutet wie Streitbarkeit, dann bin ich weniger militant als früher. Wenn Streitbarkeit bedeutet, sich effektiver, zäher, beständiger und differenzierter daran zu machen, jede Form von Unterdrückung abzuschaffen, dann bin ich streitbarer als jemals zuvor. Was mich betrifft, gibt es eine dritte Phase nach dem Opferdasein und nach der ersten Wut. Eine Phase, in der Wut sich in Kreativität und Beständigkeit verwandelt hat und die als eine Weiterentwicklung zu betrachten ist. Einige betrachten das als Rückfall. Für andere, die an dem Prozess teilnehmen, ist es ein Schritt nach vorn. (S. 5-6)
Manchmal habe ich den Eindruck, dass feministische Gemeinsamkeiten darüber geschaffen werden, sich über die gleichen Dinge aufzuregen. Und wer sich nicht über die gleichen Dinge aufregt, gehört irgendwie nicht dazu. Aufregen und Wut schaffen also auch Verbindung. Auf was basiert diese Verbindung? Wenn wir immer wieder mit unserer Wut auf gewaltvolle und diskriminierende Situationen und Zustände reagieren, wann bleibt dann die Zeit, um uns über unsere Utopien und Visionen auszutauschen?
Welche Auswirkungen haben Wut, Aufregen und Jammern auf dich und deine feministischen Communities?
Hier sind einige Fragen, anhand derer du den nächsten Moment der Wut beobachten kannst:
In welchen Momenten stärkt Wut deine Handlungsfähigkeit und in welchen Momenten verringert Wut deine Handlungsfähgikeit?
Ermöglicht dir Wut Verantwortung für das eigene Verhalten und deinen eigenen Handlungsspielraum in bezug auf die besprochenen Themen zu übernehmen?
Bewirken Aufregen und Jammern, dass es dir anfangs besser geht, aber dass langfristig ein bitterer Nachgeschmack bleibt?
Dreht ihr euch beim Aufregen im Kreis und landet immer wieder bei den gleichen Punkten?
Liegt der Fokus auf dem, was alles scheiße läuft, statt auf dem, was gerade gut ist?
Fühlen sich diejenigen durch Wut unterstützt, die möglicherweise als Betroffene von einer konkreten Situation erzählt haben?
Für wen ist Wut möglicherweise auch ein belastendes Gefühl, weil sie häufig mit Wut konfrontiert sind/ waren? Wie kann auf deren Grenzen geachtet werden?
Freitag, 31. Mai 2013
Unterstützung geben oder sich verantwortlich fühlen?
Als Antigewalt-Aktivist_in ist die Unterstützung anderer essentieller Bestandteil meines politischen_persönlichen Alltags. Unterstützung geben und Unterstützung erfahren gehören zu meiner feministischen Praxis und ein Erlebbar-Machen von Solidarität.
In der Unterstützung anderer halte ich Selbstfürsorge für zentral. Es ist dabei wichtig, auf die eigenen Grenzen zu achten und für Ausgleich zu sorgen. Wenn ich andere unterstütze, kann es passieren, dass ich mit eigenen (Gewalt-) Erfahrungen in Kontakt komme. In welchem Verhältnis befinden sich die Unterstützung anderer und meine eigenen (Gewalt-) Erfahrungen? Welchen Einfluss haben meine eigenen Erfahrungen auf die Unterstützung? Wie sehr belasten oder beschäftigen mich meine eigenen Erfahrungen? Hab ich eigene Räume, um diese zu verarbeiten und gut für mich zu sorgen?
In der Broschüre "Unterstützung geben" von LesMigraS/ Lesbenberatung Berlin gibt es viele Hinweise zu der Unterstützung anderer und aktivistischer Selbstfürsorge (auch in Print bei der Lesbenberatung erhältlich). Dort steht zu dem Thema:
Für mich ist dabei folgende Frage hilfreich: Fühl ich mich für die andere Person verantwortlich? Unterstützung ist für mich dadurch gekennzeichnet, dass ich für die andere Person da und ansprechbar bin, aber die Verantwortung für den eigenen Umgang mit dem Erlebten bei der anderen Person lasse. Ich fühle mich für die andere Person verantwortlich, wenn ich merke, dass ich davon abhängig bin, dass es der anderen Person besser geht, dass ich an kaum etwas Anderes denken kann. Meistens ist das ein Zeichen dafür, dass es dabei auch um eigene Erfahrungen oder Umgangstrategien (mit Gewalt) geht, dass ich ein eigenes Ziel mit der Unterstützung der anderen Person verfolge. Möglicherweise gebe ich die Unterstützung und den Rat, die ich selbst gerne erhalten würde/ hätte. Oder es ist ein Zeichen für meine genderspezifische Sozialisation und die internalisierte Norm, dass es mir nur dann gut gehen darf, wenn ich dafür sorge, dass es anderen gut geht und meine emotionale Energie in erster Linie in andere Menschen stecke.
In welcher Form gibst du anderen Unterstützung?
Worum geht es dabei für dich? Welche eigenen Ziele verfolgst du vielleicht damit?
Wie kannst du gut für dich sorgen? Mit wem und wo kannst du eigene Themen gut verarbeiten?
In der Unterstützung anderer halte ich Selbstfürsorge für zentral. Es ist dabei wichtig, auf die eigenen Grenzen zu achten und für Ausgleich zu sorgen. Wenn ich andere unterstütze, kann es passieren, dass ich mit eigenen (Gewalt-) Erfahrungen in Kontakt komme. In welchem Verhältnis befinden sich die Unterstützung anderer und meine eigenen (Gewalt-) Erfahrungen? Welchen Einfluss haben meine eigenen Erfahrungen auf die Unterstützung? Wie sehr belasten oder beschäftigen mich meine eigenen Erfahrungen? Hab ich eigene Räume, um diese zu verarbeiten und gut für mich zu sorgen?
In der Broschüre "Unterstützung geben" von LesMigraS/ Lesbenberatung Berlin gibt es viele Hinweise zu der Unterstützung anderer und aktivistischer Selbstfürsorge (auch in Print bei der Lesbenberatung erhältlich). Dort steht zu dem Thema:
Es kann auch sein, dass eigene Erfahrungen von Gewalt und Diskriminierung bei Ihnen hoch kommen. Wenn Sie merken, dass Sie die Gewalt- oder Diskriminierungserfahrung einer Ihnen nahe stehenden Person zu sehr belastet, weil es Sie an eigene Erfahrungen erinnert, ist es wichtig, dass Sie diese Belastung ernst nehmen. Es besteht jederzeit auch für Sie die Möglichkeit sich Unterstützung zu holen, auch wenn die Situation, in der Sie Gewalt oder Diskriminierung erfahren haben, schon lange zurückliegt oder schon lange anhält, ohne dass Sie jemals wem davon erzählt haben. Gewalt und Diskriminierung kann lang anhaltende Effekte auf Sie haben, die auch Jahre später noch Auswirkungen zeigen. Nehmen Sie sich selbst Zeit und Raum für Ihre Erfahrungen. Überlegen Sie gut, ob Sie sich gerade in der Lage fühlen, eine andere Person zu unterstützen, während Sie selbst etwas aufarbeiten. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre eigenen Erfahrungen und die einer anderen Person nicht gleich setzen. Manchmal erscheint es leichter, eine andere Person zu unterstützen als selbst nach Unterstützung zu fragen. Auch Ihre Erfahrungen und Erlebnisse brauchen Zuwendung, Unterstützung und Verarbeitung. Es ist wichtig, dass Sie mit der von Ihnen erlebten Gewalt oder Diskriminierung umgehen, damit sie Sie und Ihre Verhältnisse zu anderen Menschen nicht langfristig belastet. Die Person, die gerade Unterstützung von Ihnen braucht, ist nicht die richtige Ansprechperson, um mit eigenen Gewalt-/ Diskriminierungserfahrungen umzugehen. Suchen Sie sich deswegen Personen, die nicht in die Unterstützung eingebunden sind. Das können Freund_innen sein, aber auch Beratungsstellen oder Therapeut_innen. Bleiben Sie nicht mit Ihren Erinnerungen allein! (S. 50-51)Doch wie merke ich, ob ich in meiner Unterstützung anderer gut für mich sorge? Und wann identifiziere ich mich zu sehr mit den Erfahrungen anderer?
Für mich ist dabei folgende Frage hilfreich: Fühl ich mich für die andere Person verantwortlich? Unterstützung ist für mich dadurch gekennzeichnet, dass ich für die andere Person da und ansprechbar bin, aber die Verantwortung für den eigenen Umgang mit dem Erlebten bei der anderen Person lasse. Ich fühle mich für die andere Person verantwortlich, wenn ich merke, dass ich davon abhängig bin, dass es der anderen Person besser geht, dass ich an kaum etwas Anderes denken kann. Meistens ist das ein Zeichen dafür, dass es dabei auch um eigene Erfahrungen oder Umgangstrategien (mit Gewalt) geht, dass ich ein eigenes Ziel mit der Unterstützung der anderen Person verfolge. Möglicherweise gebe ich die Unterstützung und den Rat, die ich selbst gerne erhalten würde/ hätte. Oder es ist ein Zeichen für meine genderspezifische Sozialisation und die internalisierte Norm, dass es mir nur dann gut gehen darf, wenn ich dafür sorge, dass es anderen gut geht und meine emotionale Energie in erster Linie in andere Menschen stecke.
In welcher Form gibst du anderen Unterstützung?
Worum geht es dabei für dich? Welche eigenen Ziele verfolgst du vielleicht damit?
Wie kannst du gut für dich sorgen? Mit wem und wo kannst du eigene Themen gut verarbeiten?
Montag, 20. Mai 2013
Everybody hurts sometimes - Umgang mit Verletzlichkeiten
Wie gehst du mit deinen Verletzlichkeiten um?
Als Feminist_in aktiv zu sein bedeutet häufig auch mit persönlichen Themen in der Öffentlichkeit zu sein. Und auch wenn es von feministischer Seite dafür viel Solidarität gibt, wird es nicht immer von allen wohlwollend aufgenommen. Diskriminiert zu werden oder Gewalt zu erfahren, während ich Diskriminierung und Gewalt thematisiere, finde ich immer besonders hart.
Kann ich in einem Blog überhaupt öffentlich über (den Umgang mit) Verletzlichkeiten schreiben? Oder ist das ein Thema, das eher an unsere Küchentische, auf unsere Sofas und insgesamt in vertrautere Räume gehört?
Was ist der Unterschied zwischen Selbstfürsorge und Selbstschutz?
Wie lässt sich eine Balance finden zwischen der Tendenz, sich als starke_r Kämpfer_in darzustellen, und dem Bedürfnis, sich auf eigene Betroffenheiten zu fokussieren?
Als ich noch klein war, bin ich immer weggerannt und hab mich versteckt, wenn ich mich verletzt hatte. Ich wollte nicht, dass mich irgendwer weinen sieht und konnte niemanden daran teilhaben lassen, dass mir etwas zugestoßen war. Erst wenn ich mich wieder gefangen hatte, bin ich aus meinem Versteck hervorgekrochen. Diese Tendenz hab ich auch heute noch, auch wenn es jetzt seltener um körperliche Auas geht.
In welchen Räumen kannst du deine Verletzungen zeigen?
Welchen Umgang wünschst du dir mit deinen Verletzlichkeiten?
Ich finde es sehr mutig, offen mit den eigenen Themen umzugehen, sich selbst auch in einer eigenen Hilflosigkeit zu zeigen. Ich finde es wichtig, dafür Anerkennung und Wertschätzung auszusprechen.
Und ich denke, dass wir Umgangsstrategien benötigen, um uns gegenseitig zu unterstützen, wenn das Sichtbarmachen unserer Verletzlichkeiten zu Verletzungen führt.
Manchmal gibt es nur Platz für Verzweiflung und Traurigkeit. Ich finde es wichtig, auch diese miteinander zu teilen. Am besten auf eine Weise, die uns nicht gegenseitig runterzieht.
Heute teile ich also eines meiner Ausheul-Videos mit euch (versucht einfach den ganzen Casting-Show-Rahmen zu ignorieren):
Als Feminist_in aktiv zu sein bedeutet häufig auch mit persönlichen Themen in der Öffentlichkeit zu sein. Und auch wenn es von feministischer Seite dafür viel Solidarität gibt, wird es nicht immer von allen wohlwollend aufgenommen. Diskriminiert zu werden oder Gewalt zu erfahren, während ich Diskriminierung und Gewalt thematisiere, finde ich immer besonders hart.
Kann ich in einem Blog überhaupt öffentlich über (den Umgang mit) Verletzlichkeiten schreiben? Oder ist das ein Thema, das eher an unsere Küchentische, auf unsere Sofas und insgesamt in vertrautere Räume gehört?
Was ist der Unterschied zwischen Selbstfürsorge und Selbstschutz?
Wie lässt sich eine Balance finden zwischen der Tendenz, sich als starke_r Kämpfer_in darzustellen, und dem Bedürfnis, sich auf eigene Betroffenheiten zu fokussieren?
Als ich noch klein war, bin ich immer weggerannt und hab mich versteckt, wenn ich mich verletzt hatte. Ich wollte nicht, dass mich irgendwer weinen sieht und konnte niemanden daran teilhaben lassen, dass mir etwas zugestoßen war. Erst wenn ich mich wieder gefangen hatte, bin ich aus meinem Versteck hervorgekrochen. Diese Tendenz hab ich auch heute noch, auch wenn es jetzt seltener um körperliche Auas geht.
In welchen Räumen kannst du deine Verletzungen zeigen?
Welchen Umgang wünschst du dir mit deinen Verletzlichkeiten?
Ich finde es sehr mutig, offen mit den eigenen Themen umzugehen, sich selbst auch in einer eigenen Hilflosigkeit zu zeigen. Ich finde es wichtig, dafür Anerkennung und Wertschätzung auszusprechen.
Und ich denke, dass wir Umgangsstrategien benötigen, um uns gegenseitig zu unterstützen, wenn das Sichtbarmachen unserer Verletzlichkeiten zu Verletzungen führt.
Manchmal gibt es nur Platz für Verzweiflung und Traurigkeit. Ich finde es wichtig, auch diese miteinander zu teilen. Am besten auf eine Weise, die uns nicht gegenseitig runterzieht.
Heute teile ich also eines meiner Ausheul-Videos mit euch (versucht einfach den ganzen Casting-Show-Rahmen zu ignorieren):
Samstag, 18. Mai 2013
Busy Bees - oder: Der Stress steht dir gut.
Eine Aufzählung von Projekten und Baustellen - darum drehen sich häufig die ersten Unterhaltungen mit anderen Feminist_innen oder auch die Updates mit Menschen, die ich länger nicht gesehen habe. Eine bittersüße Vorstellungsrunde.
Ich genieße es, mich mit anderen Feminist_innen über Projekte auszutauschen. Bezugnahmen aufeinander finde ich total wichtig und ich möchte die konstruktive Kritik, die ich von anderen Feminist_innen erhalte, auf keinen Fall missen. Ich fühl mich als Teil des feministischen Beats in der Stadt oder auch überregional, wenn ich höre, was andere gerade so machen und welche Projekte so am Laufen sind. Ich erzähle gerne von meinen eigenen Plänen - nicht zuletzt auch, weil ich an den Plänen eher dran bleibe, wenn ich weiß, dass andere auch davon wissen.
Doch gleichzeitig besteht immer auch die Gefahr, dass ich mich ausschließlich über meine Projekte definiere. Und beim Schreiben spüre ich schon meine Ambivalenz: Meine Projekte sind mir aber wichtig und ich will mich nicht dafür verteidigen müssen, dass sie mir wichtig sind - widerspricht laut eine Stimme in mir. Stimmt ja auch, aber nur auch eben.
Häufig kann ich nicht klar zwischen Busy-sein und Erschöpft-sein unterscheiden. Und ich frage mich, ob es zunehmend zum guten feministischen Ton gehört voll ausgelastet zu sein. Warum verweigern wir nicht mehr, immer unter Zeitdruck zu stehen und unsere Terminkalender zwei Wochen im Voraus vollzupacken? Wie könnte eine alternative Zeitplanung gestaltet sein?
Inwiefern erheben wir Funktionieren auch in feministischen Kreisen zur Norm? Was muss ich leisten können, um dazu gehören zu können? Welche Fähigkeiten und Zugangsmöglichkeiten setzen welche Aktionen und Projekte voraus? Wie kommt die Demo zu Feminist_innen, wenn Feminist_innen nicht zur Demo kommen können?
Immer wieder nehme ich wahr, wie FrauenLesbenTrans* als Folge einer rassistisch-homophob-transphob-ableistisch-klassistisch-...-sexistischen Gesellschaft an der Welt verzweifeln. Häufig resultiert diese Verzweiflung in Rückzug oder selbstschädigenden Umgangsstrategien. Ich frage mich immer wieder, wie ich Menschen in ihren Verzweiflungsphasen in meinen feministischen Communities halten kann. Ich kann zwar keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen, aber ich kann ihnen Formen von Unterstützung anbieten. Dafür muss ich meinen Projektestress erstmal abschütteln, um mich gut auf Begegnungen einlassen zu können.
Das ist ein Puzzlestück meiner Vision für ein feminstisches Retreat-Center. Ich möchte einen Rückzugsraum schaffen, der eine Auszeit anbietet und sich jenseits von Funktionier-Normen bewegt. Wo Verzweiflung Platz haben kann und Verzweifelte von Menschen umgeben sind, die gerade emotional Platz dafür haben.
Welche Dynamiken hat dein_e busy bee?
Wie gehst du mit deiner Verzweiflung um? Und wo wendest du dich mit ihr hin?
Wie lassen sich feministische Vernetzungen und Communities jenseits von Funktionier-Normen gestalten? Was kann dein Beitrag dazu sein?
Ich genieße es, mich mit anderen Feminist_innen über Projekte auszutauschen. Bezugnahmen aufeinander finde ich total wichtig und ich möchte die konstruktive Kritik, die ich von anderen Feminist_innen erhalte, auf keinen Fall missen. Ich fühl mich als Teil des feministischen Beats in der Stadt oder auch überregional, wenn ich höre, was andere gerade so machen und welche Projekte so am Laufen sind. Ich erzähle gerne von meinen eigenen Plänen - nicht zuletzt auch, weil ich an den Plänen eher dran bleibe, wenn ich weiß, dass andere auch davon wissen.
Doch gleichzeitig besteht immer auch die Gefahr, dass ich mich ausschließlich über meine Projekte definiere. Und beim Schreiben spüre ich schon meine Ambivalenz: Meine Projekte sind mir aber wichtig und ich will mich nicht dafür verteidigen müssen, dass sie mir wichtig sind - widerspricht laut eine Stimme in mir. Stimmt ja auch, aber nur auch eben.
Häufig kann ich nicht klar zwischen Busy-sein und Erschöpft-sein unterscheiden. Und ich frage mich, ob es zunehmend zum guten feministischen Ton gehört voll ausgelastet zu sein. Warum verweigern wir nicht mehr, immer unter Zeitdruck zu stehen und unsere Terminkalender zwei Wochen im Voraus vollzupacken? Wie könnte eine alternative Zeitplanung gestaltet sein?
Inwiefern erheben wir Funktionieren auch in feministischen Kreisen zur Norm? Was muss ich leisten können, um dazu gehören zu können? Welche Fähigkeiten und Zugangsmöglichkeiten setzen welche Aktionen und Projekte voraus? Wie kommt die Demo zu Feminist_innen, wenn Feminist_innen nicht zur Demo kommen können?
Immer wieder nehme ich wahr, wie FrauenLesbenTrans* als Folge einer rassistisch-homophob-transphob-ableistisch-klassistisch-...-sexistischen Gesellschaft an der Welt verzweifeln. Häufig resultiert diese Verzweiflung in Rückzug oder selbstschädigenden Umgangsstrategien. Ich frage mich immer wieder, wie ich Menschen in ihren Verzweiflungsphasen in meinen feministischen Communities halten kann. Ich kann zwar keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen, aber ich kann ihnen Formen von Unterstützung anbieten. Dafür muss ich meinen Projektestress erstmal abschütteln, um mich gut auf Begegnungen einlassen zu können.
Das ist ein Puzzlestück meiner Vision für ein feminstisches Retreat-Center. Ich möchte einen Rückzugsraum schaffen, der eine Auszeit anbietet und sich jenseits von Funktionier-Normen bewegt. Wo Verzweiflung Platz haben kann und Verzweifelte von Menschen umgeben sind, die gerade emotional Platz dafür haben.
Welche Dynamiken hat dein_e busy bee?
Wie gehst du mit deiner Verzweiflung um? Und wo wendest du dich mit ihr hin?
Wie lassen sich feministische Vernetzungen und Communities jenseits von Funktionier-Normen gestalten? Was kann dein Beitrag dazu sein?
Samstag, 11. Mai 2013
Krisen-Gegenmittel
Das wohl beste Gegenmittel zu fast jeder Krise: Verbundenheit.
Als mich als junge Erwachsene das Wahrnehmen einer sexistischen und kapitalistischen Gesellschaft in die Depression stürzte, war es wichtig, damit nicht allein zu sein. Um mich herum waren andere, die Ähnliches durchmachten, und wir teilten unsere Tiefpunkte, unsere Strategien, unsere Analysen und unsere Fehltritte. Daraus sind innige Kontakte entstanden, die mich heute noch tragen.
Gewalt und Diskriminierung isolieren. Kapitalismus lehrt Konkurrenzverhalten. Krisen lassen Rückzug attraktiv erscheinen.
In solchen Situationen fällt es mir nicht immer leicht, zum Hörer zu greifen und andere um Unterstützung zu fragen. Verletzlichkeit ist für mich immer noch etwas, das mir manchmal peinlich ist. Ich will keinen weiblichen Stereotypen entsprechen und mime deswegen lieber die Starke.
Doch was mir wirklich in Krisensituationen hilft, ist die Verbundenheit mit anderen: Mich von der Zuversicht anderer anstecken zu lassen, Lebensfreude zu tanken, mich an der Schulter einer Freundin ausheulen zu können, mich in mein soziales Netz fallen zu lassen und darauf vertrauen zu können, dass ich gehalten werde.
Verbundenheit mit anderen lässt mich lebendig fühlen. Ich versuche täglich mein Herz so weit zu öffnen, dass ich mich mit anderen verbinden kann. Jeden Tag in der Begegnung mit den tollen Feminist_innen, die mich umgeben, meine Rüstung abzulegen, die ich mir vor Jahrzehnten als Schutz zugelegt habe. Mit_fühlen und das Verweigern von Abstumpfen.
Ich bin dankbar für die Verbundenheit mit meinen Mitstreiter_innen und Kolleg_innen, für die Herzenswärme meiner Freund_innen und jedes Lächeln im Großstadtgrau.
Wer gehört in meinen Inneren Kreis?
Eine kleine Übung (inspiriert von Julia Cameron):
Als mich als junge Erwachsene das Wahrnehmen einer sexistischen und kapitalistischen Gesellschaft in die Depression stürzte, war es wichtig, damit nicht allein zu sein. Um mich herum waren andere, die Ähnliches durchmachten, und wir teilten unsere Tiefpunkte, unsere Strategien, unsere Analysen und unsere Fehltritte. Daraus sind innige Kontakte entstanden, die mich heute noch tragen.
Gewalt und Diskriminierung isolieren. Kapitalismus lehrt Konkurrenzverhalten. Krisen lassen Rückzug attraktiv erscheinen.
In solchen Situationen fällt es mir nicht immer leicht, zum Hörer zu greifen und andere um Unterstützung zu fragen. Verletzlichkeit ist für mich immer noch etwas, das mir manchmal peinlich ist. Ich will keinen weiblichen Stereotypen entsprechen und mime deswegen lieber die Starke.
Doch was mir wirklich in Krisensituationen hilft, ist die Verbundenheit mit anderen: Mich von der Zuversicht anderer anstecken zu lassen, Lebensfreude zu tanken, mich an der Schulter einer Freundin ausheulen zu können, mich in mein soziales Netz fallen zu lassen und darauf vertrauen zu können, dass ich gehalten werde.
Verbundenheit mit anderen lässt mich lebendig fühlen. Ich versuche täglich mein Herz so weit zu öffnen, dass ich mich mit anderen verbinden kann. Jeden Tag in der Begegnung mit den tollen Feminist_innen, die mich umgeben, meine Rüstung abzulegen, die ich mir vor Jahrzehnten als Schutz zugelegt habe. Mit_fühlen und das Verweigern von Abstumpfen.
Ich bin dankbar für die Verbundenheit mit meinen Mitstreiter_innen und Kolleg_innen, für die Herzenswärme meiner Freund_innen und jedes Lächeln im Großstadtgrau.
Wer gehört in meinen Inneren Kreis?
Eine kleine Übung (inspiriert von Julia Cameron):
- Zeichne einen Kreis.
- Schreibe in das Innere des Kreises die Menschen, die dir gut tun und an die du dich wenden möchtest, wenn du Unterstützung brauchst.
- Schreibe außerdem in das Innere des Kreises, welche Seiten du mit diesen Menschen ausleben kannst.
- Schreibe außerhalb des Kreises die Menschen in deinem Leben, die dir nicht gut tun und die du lieber auf Distanz halten möchtest.
- Gibt es Menschen, die du gerne auf die Linie des Kreises schreiben möchtest?
- Wie geht es dir bei dem Betrachten des Kreises? Gibt es Überraschungen?
- Mit wem verbringst du deine Zeit? Und entspricht dies deinen Eintragungen im Kreis?
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